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Zuversichtlich und tief beeindruckt 

Volker Schwennen hat bei den diesjährigen Domfestspielen die Geschäftsführung übernommen. Er hat schon oft die Fäden von Großveranstaltungen in der Hand gehalten. 

Von Susanne Ehrlich

Eine Erfolgsgeschichte braucht viele Zutaten: Eine überzeugende Idee, professionelles Können, engagierte Mit­streiter, ein Team, das Hand in Hand ar­beitet. Und dann muss noch dieses Quäntchen Glück dazu kommen, um ge­nau die richtigen Menschen zu finden, die zur rechten Zeit am rechten Ort sein können. Einer von ihnen ist Volker Schwennen, der Geschäftsführer der Domfestspiele 2022.

Denn in ihm haben Regisseur Hans Kö­nig und der Vereinsvorstand einen All­round-Profi gefunden. Schon in seiner Jugend organisierte Schwennen Band­konzerte. Später unterhielt er 20 Jahre lang eine eigene Veranstaltungsagentur, managte Großveranstaltungen an vielen Orten Deutschlands, Stadtfeste, Groß­konzerte und vieles mehr. Insider kennen ihn als den Macher des Bremer "Viertel-Fests", für das er 16 Jahre verantwortlich zeichnete.

Werbeagentur gegründet

"Ich bin es gewohnt, mit vie­len Menschen und Institutionen zusam­menzuarbeiten und große Geldsummen zu bewegen", sagt Schwennen, der nach 20 Jahren das ständige Herumreisen leid war. So gründete er eine kleine Werbe­agentur, arbeitete unter anderem als Chefredakteur verschiedener Magazine und Anzeigenzeitungen in Bremen und be­sitzt in Worpswede den "Kunstraum KW/Randlage" den er gemeinsam mit seiner Frau, der Bildenden Künstlerin Marie S. Ueltzen betreibt. "Heute mache ich nur noch, was mir Freude bereitet, oder was ich als spannende Herausforde­rung empfinde", sagt der freischaffende Gestalter von sich selbst. Und so kam es, dass er einfach "ja" sagen konnte, als ihm Hans König, den er von einer gemeinsamen Theaterproduktion kannte, den Job als Geschäftsführer der Domfestspiele anbot. "Als ich mich beim Vorstand vorgestellt habe, war dort so eine klasse Stimmung, dass ich sofort Lust bekommen habe. Ohne eine Nacht darüber zu schlafen, konnte ich sagen: 'Ich bin dabei!'"  

Vom Stück, dessen Entwicklung er von Anfang an beobachtet hat, ist er ebenso begeistert wie von der Atmosphäre der Proben: "Hier herrscht eine großartige Wertschätzung im Ensemble, das ist toll zu erleben." Besonders fasziniert ihn, der selbst in seiner Freizeit komponiert, Hans Königs Bühnen­musik: "Diese atmosphärischen Klänge ziehen einen richtig mit rein, das hat etwas Filmisches, Monumentales."  

Riesiges Team

Fast jeden Tag ist er vor Ort, beobachtet die Proben und den Aufbau, weiß um je­des Problem und schafft jede Menge Hürden aus dem Weg. Er ist Produkti­onsleiter, Finanz- und Marketing-Mana­ger und Pressesprecher des Großprojekts mit Kosten von insgesamt circa 380.000 Euro, 120 Mitwirkenden auf und hinter der Bühne und etwa 20 unterstützenden Firmen und Gewerken im Hintergrund. "Das sind zum Beispiel die Spezialfirma für Tribünenbau, die Firma, die das neue Gastronomiezelt mit Glasfassade baut, die Bremer Firma, die unsere Container liefert, die Gerüstbaufirma für das Büh­nenbild auf drei Ebenen. Wir haben einen Transporter und einen Radlader auf dem Platz. Es gibt einen Jumbo-Toilettenwa­gen mit 12 Kabinen und die Domschänke macht nicht nur die Gastronomie wäh­rend der Aufführung, sondern auch das Catering für das gesamte Team."

Auch die Stadtwerke, die Wasser und Strom auf den Platz liefern, und eine ganze Reihe weiterer Firmen gehen auf dem Gelände zwischen den Kirchen aus und ein. "Das ist ja eine richtig große Pro­duktion", erklärt Schwennen, "da sind so viele Menschen involviert, die kann man gar nicht alle aufzählen".

Von der Hilfsbereitschaft der Stadt Verden, die auf allen Ebenen der Verwaltung mitreden muss, ist er be­geistert. "Die sind klasse, so offen und professionell, das erlebt man selten. Es gibt keine Reibungen, alles geht glatt, ich habe sofort gemerkt: In Verden, da läuft das!"

Herausforderung Corona

Auch die Zusammenarbeit mit dem Vor­stand funktioniert optimal. "Da gab es ja schon viel Erfahrung, aber es kamen auch neue Prob­leme hinzu." Wie zum Beispiel der Umgang mit dem Corona-Risiko: "Da hat es von Anfang an immer Einigkeit gegeben." Doch Schwennens wichtigstes Problem dreht sich um die Frage: "Wie bekommen wir das Geld zusammen?" Und da gab es so einiges, das ihm Kopfzerbrechen bereitet hat.

"Als Henning Diers seinen Bühnenbild-Entwurf vorgestellt hat, und alle absolut begeistert waren, habe ich erstmal gedacht: 'Wow, wie viel Gerüst brauchen wir da wohl? Und was kostet das alles?'" Jetzt, wo alles genau so umgesetzt werden konnte, wie es geplant war, lässt sich auch Schwennen von der Begeisterung mitreißen: "Das ist einfach fantastisch, wie man da auf drei Ebenen ein ganzes Stadtleben beobachten kann." 

Außer den Kosten für die ge­nannten Firmen und Leistungen sei allerdings noch vieles mehr zu finanzieren: "Maske, Requisite, Technik, die Werkstätten, Kostüme, Beleuchtung, Marketingmaßnahmen, Honorare für verschiedene Akteure, um nur eini­ges zu nennen."

Mehr als ein Job

Es sei ein Glücksfall, dass sich Wolfgang Reichelt ein letztes Mal bereit erklärt habe, das Fundraising zu machen. "Mithilfe der vielen Sponsoren können wir fast ein Drittel der Produktionskosten bestreiten." Rund 80.000 Euro öffentliche Förderung gebe es vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Bundesregierung, vom Land­schaftsverband Stade und von der Stadt Verden. "Der Rest muss über die Eintrittsgelder kommen", rechnet Schwennen vor. Er ist sehr zuversichtlich, dass das klappen wird. Und vor allem ist er tief beeindruckt, "dass hier so viele Menschen mit so viel zumeist ehrenamtlichem Engagement ein solch gigantisches Projekt auf die Beine stellen." So sei das nicht einfach ein Job für ihn – es sei zu einer Herzensangelegenheit geworden. "Das ist viel, viel mehr Aufwand, als ich es mir vorgestellt habe, aber es ist für mich auch richtig entspannend, hier auf dem Platz zu sein, und ich komme jeden Tag wieder gerne her."