how to make a site


Verdener Domfestspiele: Führungen auf den Spuren der echten Margarethe

Endlich wieder Domfestspiele. Am Freitag, 29. Juli, feiert „Die rebellische Hexe“ Premiere. Passend zur Handlung haben Karin Köster und Sabine Lühning zwei Führungen erstellt, die den geschichtlichen Hintergrund beleuchten oder aber den Teilnehmenden einen Blick hinter die Kulissen des Theaterspektakels gestatten.

Von Katrin Preuß

Das Stück aus der Feder von Regisseur Hans König rankt sich um Margarethe Sievers. Das junge Mädchen, so die Handlung, gesteht unter Folter, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Überraschend wird sie aber aus der Haft entlassen und schlägt fortan aus ihrem Ruf als Hexe Kapital. Das ruft den Inquisitor auf den Plan.

Fiktion und Wahrheit sind eng miteinander verworben

Bei aller dichterischen Freiheit, die es braucht, um einen historischen Stoff wie diesen spannend und unterhaltsam zu machen, sind Fiktion und Wahrheit bei „Die rebellische Hexe“ doch eng miteinander verwoben. So hat es Margarethe Sievers wirklich gegeben. Ebenso wie beispielsweise den im Stück vorkommenden Bischof Philipp-Sigismund.

Seine sterblichen Überreste sind in einem Sarkophag im Verdener Dom beigesetzt. Die junge Margarethe lebte mit ihrer Familie gar nicht weit entfernt vom Dom, am Mühlentor. „Wir stellen diese Personen vor“, macht Sabine Lühning schon mal ein wenig neugierig auf die Führungen. Diese sind zeitlich so angesetzt, dass sie sich gut mit einem Besuch der Festspiele verbinden lassen.

Die Namen, Daten und Fakten, die die beiden Frauen für ihre Führungen zusammengestellt haben, stammen vielfach aus den Heimatkalendern. Dort und auch in Publikationen des früheren Vereins für Regionalgeschichte berichteten Otto Voigt, Jürgen Siemers und Dr. Joachim Woock von dieser auch für Verden düsteren Zeit.

Nach den Recherchen Woocks gab es eine Reihe sogenannter Hexenbeschuldigungen im Stift und späterem Herzogtum Verden mit etwa 5 000 Einwohnern. Zwischen 1517 und 1683, so beruft sich Karin Köster auf den Regionalhistoriker, seien 127 Menschen, davon 112 Frauen, beschuldigt worden. Für 72 von ihnen endete dies mit dem Tod. Sie wurden hingerichtet oder starben bereits durch die Folter.

„Gebärdet, als ob der Teufel in ihr stecke“

Auch mit der echten Margarethe Sievers meinte das Schicksal es nicht gut. „Sie hat sich gebärdet, als ob der Teufel in ihr stecke“, zitiert Karin Köster aus einem historischen Dokument. Vermutlich habe die junge Frau an Epilepsie gelitten, so die Stadtführerin. „Heute weiß man so etwas“, sagt sie. Aber auch nach Ende des Mittelalters glaubten die Menschen, dass etwas entweder von Gott gewollt gewesen sei. „Oder der Teufel hatte seine Finger im Spiel.“ Und war man erst einmal in den Fängen der Inquisition, gab es kein Entrinnen.

Davon zu berichten, wie Aberglaube die Menschen, ihr Leben und Handeln im Verden vor 400 Jahren geprägt hat, das macht für Sabine Lühning und Karin Köster den besonderen Reiz der Führungen aus. Zumal dieses Eintauchen in die damalige Zeit auch für die beiden Expertinnen mit einem Erkenntnisgewinn verbunden ist. Der Gedanke an die seinerzeit grassierende Pest, an Hexenwahn und Folter sage einem doch: Gut, dass wir heute leben.

Karten gibt es ab dem 1. Juni in der Verdener Tourist-Information

Zwei verschiedene Führungen haben Sabine Lühning und Karin Köster im Angebot. Tickets dafür sind ab dem 1. Juni in der Tourist-Information im Verdener Rathaus erhältlich, Telefon 04231/12345. Gruppen können dort auch individuelle Termine vereinbaren.


Bei „Hexenwahn in Verden“ tauchen die Teilnehmenden in die mittelalterliche Geschichte der Allerstadt ein. Beim einstündigen Gang zu Originalschauplätzen erfahren sie, wie es zum Glauben an Hexen kam, und sie lernen die Handelnden des Stückes kennen, die es tatsächlich gegeben hat. Termine sind Freitag, 29. Juli; Dienstag, 2. August; Sonnabend, 6. August; Mittwoch, 10. August; Freitag, 12. August, und Sonnabend, 13. August. Treffpunkt ist der Lugenstein, jeweils um 17 Uhr. Die Teilnahme kostet neun Euro.


Auch der „Blick hinter die Kulissen“ enthält eine historische Einführung. Darüber hinaus gibt es innerhalb der circa 90-minütigen Führung Einblicke ins „Making of“ der Domfestspiele, über die Herstellung von Masken und Kostümen, über Ton- und Lichttechnik. Die Termine: Sonnabend, 30. Juli; Freitag, 5. August; Freitag, 12. August. Beginn ist jeweils um 16 Uhr am Lugenstein. Die Karten kosten 15 Euro.


Bei beiden Veranstaltungen ist im Preis für die Karte ein Zwei-Euro-Gutschein für die Gastronomie auf dem Festivalgelände enthalten.